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am 13. April

Pflege: Sicher und fair, jetzt und in der Zukunft

- Österreichs Bevölkerung altert. Damit steigt der Bedarf an 24-Stunden-Betreuung. Doch die Rechte des Betreuungspersonals und die Sicherung der Qualitätsstandards lassen bisher zu wünschen übrig.

Seit 2007 gibt es für pflege- und betreuungsbedürftige Menschen die legale Möglichkeit, Betreuungskräfte rund um die Uhr zu beschäftigen. Dies wird vom Bund mit einem Pflegegeldzuschuss unterstützt. 2015 haben fast 22.000 Menschen eine 24-Stunden-Pflege in Anspruch genommen, im vergangenen Jahr waren 78.325 PersonenbetreuerInnen in Österreich registriert (Stand 29. September 2016). Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird in den kommenden Jahren weiterhin stark steigen, die Regierung rechnet bis 2020 mit einer Steigerung der Ausgaben für die 24-h-Betreuung um 9 Prozent.


Problemfelder der 24h-Betreuung

Negative Auswirkungen auf das soziale Leben der betreuer_Innen

Die Mehrzahl der Betreuungskräfte kommt aus osteuropäischen Ländern. Fast immer sind es Frauen, die Menschen auf selbstständiger Basis betreuen. Die Personenbetreuung erfolgt in einem zweiwöchigen bis dreimonatigen Turnus, in dem sich zwei BetreuerInnen abwechseln. Zwei Wochen durchgehend im Einsatz zu sein, bedeutet eine hohe psychische und physische Belastung.

„Zehn Jahre hat es so gut wie niemanden gekümmert, wie es diesen Frauen geht. Interessant wurden sie erst, als die ÖVP auf die Idee kam, ihnen die Familienbeihilfe zu kürzen.“
Judith Schwentner, Sozialsprecherin der Grünen

Die BetreuerInnen leiden vor allem unter Isolation, Mangel an Freizeit, Sprachschwierigkeiten, Defiziten in der eigenen Ausbildung im Umgang mit speziellen Krankheitsbildern wie Demenz und der Abhängigkeit von den Pflegebedürftigen. Außerdem basiert die 24-h-Betreuung auf der Ausnutzung des sozialen Gefälles zwischen Ost und West. Personen, die nach Österreich kommen, und mit ihrem Einsatz unser österreichisches Pflegesystem mit ermöglichen, fehlen zuhause: Kinder und eigene ältere Angehörige bleiben unversorgt zurück, qualifizierte Pflege- und Betreuungskräfte fehlen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Unseriöse Praktiken der Vermittlungsagenturen

Die Vermittlung von Betreuungskräften erfolgt zumeist über Agenturen, die gewinnorientiert arbeiten. Unseriöse Praktiken, unübersichtliche Kosten für KlientInnen sowie gezielte finanzielle Ausbeutung der BetreuerInnen sind keine Seltenheit. Viele Agenturen vermitteln Personal, das über keinerlei Qualifizierung verfügt. Lediglich beim Antrag auf die Förderung zur 24-h-Betreuung müssen die Betreuungskräfte eine Ausbildung auf dem Niveau einer HeimhelferIn haben oder zumindest sechs Monate Arbeitserfahrung nachweisen.

Ex-Pflegerin Katarina Staronova und Sozialsprecherin Judith Schwentner beim Pressegespräch am 12. April

Die 24h-Pflege wird jährlich mit 138,6 Millionen Euro vom Bund subventioniert.

Pflegebedürftige müssen mit Kosten von monatlich 1.000 Euro rechnen, die sie auch trotz der Förderungen und des Pflegegeldes aufbringen müssen.

Betreuerinnen bleiben im Schnitt für einen klassischen Pflegeeinsatz von zwei Wochen 600-1.000 € pro Monat.

„Uns geht es um den Schutz der betreuungsbedürftigen Menschen, aber auch um die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber den Betreuungskräften.“
Judith Schwentner, Sozialsprecherin der Grünen

Grüne Vorschläge

  • Zertifizierung von Vermittlungsagenturen, um Qualität und Sicherheit für KlientInnen und PersonenbetreuerInnen zu gewährleisten. Große Pflegeanbieter wie die Caritas oder Hilfswerk haben bereits eigene Gütesiegel entwickelt, allerdings basieren diese auf Freiwilligkeit. Beim Ansuchen um Förderungen für 24-h-Betreuung sollten sowohl die Betreuungsverträge als auch die Zertifikate der PersonenbetreuerInnen an die Servicestelle des Sozialministeriums zur Kontrolle übermittelt werden.
  • Die Ausübung der Personenbetreuung muss Berufsqualifikation auf dem Niveau eines/r HeimhelferIn voraussetzen.
  • Die Verbesserung der Arbeitssituation von BetreuerInnen durch Weiterbildungs- und Entlastungsprogramme und Möglichkeiten der Anrechnungen für Berufsqualifikation für andere Pflege- und Betreuungsberufe sollen etabliert werden.
  • Eine zentrale Anlaufstelle für Menschen, die mit 24-h-Betreuung Probleme haben und finanziell oder körperlich geschädigt wurden, soll eingerichtet werden.
  • Umwandlung des freien Gewerbes der Organisation von Personenbetreuung in ein reglementiertes Gewerbe.
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