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am 9. August

Julian Schmids 10-Punkte-Plan für die Lehre

Julian Schmid - Fünf Wochen lang arbeitete Julian Schmid in verschiedenen Lehrberufen. Jetzt stellt er seinen 10-Punkte-Plan für die Lehre vor.

Julian, der Schnupperlehrling

​Ölmessen, Regale einschlichten, Gäste bedienen, bei Hitze oder Regen am Bau und Haare waschen… Fünf Wochen lang hat Julian Schmid im Sommer hautnah miterlebt, was Lehrlinge in Österreich alles leisten, was sie sich wünschen oder wo es Verbesserungen geben muss. Fünf Wochen war Julian Schmid als Schnupperlehrling tätig: Als Mechaniker in Wien, im Einzelhandel einer großen Supermarktkette, als Gastro-Lehrling am Wörthersee, am Bau in Linz und als Frisörlehrling in Salzburg.

„In den fünf Wochen als Schnupperlehrling habe ich unglaublich viele Erfahrungen gemacht. Jetzt will ich Verbesserungen für unsere mehr als 100.000 Lehrlinge in Österreich im Parlament umsetzen!“
Julian Schmid, Jugendsprecher der Grünen
Bild: Julian Schmid beim Pressegespräch
Julian Schmid berichtet bei einem Pressegespräch von seinen wertvollen Erfahrungen in der Schnupperlehre

Der 10-Punkte-Plan für die Lehre

  • Flächendeckende Berufsberatung, damit junge Menschen gestärkt in die Lehre starten können. Das Wissen um die eigenen Fähigkeiten kann durch eine gute Berufsinformation und -beratung gestärkt werden. In Pflichtschulen oder/und Polytechnischen Schulen sollen alle Jugendlichen die Möglichkeit haben, ihre Interessen herauszuarbeiten. Mit diesem Wissen lässt sich dann auch die richtige Entscheidung für eine Lehre oder einen weiteren Schulweg treffen.​

  • Lehrlings-Coaching als "Dritte Säule" in der dualen Ausbildung. Zwei Wochen pro Lehrjahr soll es Persönlichkeits-Coachings für Lehrlinge geben - Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Teamarbeit (Beispiel: Unternehmen "Heartbeat" in Oberösterreich), sollen dabei gestärkt werden. Das Lehrlingscoaching soll fester Bestandteil für ALLE Lehrlinge und ihre AusbildnerInnen in Österreich werden.

  • 700 € Mindestlohn für Lehrlinge im ersten Lehrjahr, und zwar in allen Branchen. Ziel muss eine Koppelung an die Kollektivverträge sein. Es kann nicht sein, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen so groß sind – beginnend beim ersten Lehrjahr. Damit würde der Unterschied zwischen männlich-, und weiblich- dominierten Branchen ausgeglichen werden.​


Lehrjahr​​​Schlüssel (Anteil vom Einstiegsgehalt der ersten FacharbeiterInnen-Lohngruppe nach KV)​Referenzwert des fairen Lohns (nach ILO-Konzept) nach dem Grünen Modell eines Mindestlohns von 1.750 Euro ​​
​1.Lehrjahr​​40 Prozent​700 Euro​
2.Lehrjahr​​60 Prozent​1050 Euro
​3.Lehrjahr​80 Prozent​1400 Euro
​4.Lehrjahr​90 Prozent​1575 Euro


  • Lehrlings-Wahlrecht bei Betriebsratswahlen. Als Lehrling darf man derzeit erst ab 18 den Betriebsrat wählen. Wir Grünen wollen dieses Recht ans Wahlrecht anpassen: Wählen mit 16.

  • Keine Überstunden für Lehrlinge. In der Praxis gleichen Lehrlinge oft Personalengpässe aus und werden unter Druck gesetzt Mehr- und Überstunden zu machen. Ein nichtausbildungsgemäßer Einsatz muss im Rahmen vom Lehrlingscoaching angesprochen und verändert werden. Mehr Kontrolle!

  • Gratis Internate für BerufsschülerInnen. Für viele Lehrlinge sind die Internatskosten ein finanzielles Problem - auch für viele Betriebe. Es gibt Kollektivverträge, die regeln, dass die Lehrbetriebe für die Kosten aufkommen und es gibt Betriebe, die die Internatskosten freiwillig übernehmen. Für alle anderen Fälle gilt im Moment: Die Lehrlinge müssen 600-800 Euro für die Internatsunterbringung zahlen, daher soll in Zukunft die öffentliche Hand die Kosten übernehmen.​

  • Berufsschule modernisieren. Das bedeutet, die Qualität der Berufsschule zu verbessern.
    Berufsschulen sollen für alle Lehrlinge in Österreich eine vergleichbare Qualität und vergleichbare Standards haben.​ Lehrbücher gehören auch in der Berufsschule auf den neuesten Stand gebracht. Digitalisierung auf allen Ebenen ist heute noch kein fixer Bestandteil, das gehört geändert. Berufsschulen sollen für alle Lehrlinge in Österreich eine vergleichbare Qualität haben.

  • Mehr Fortbildungsmöglichkeiten für BerufsschullehrerInnen. BerufsschullehrerInnen sollen für die Vertiefung ihrer Fächer mehr Praxistage zu Verfügung stehen. Auch AusbildnerInnen brauchen eine geförderte Weiterbildung, um immer auf dem letzten Stand der Technik und ihres Fachwissens zu sein.

  • Lehre mit Matura leichter machen. Dieses Modell wird immer stärker angenommen. 2016 machten schon 10.366 Lehrlinge eine Lehre mit Matura (ca. 6 Prozent aller Lehrlinge). Leider brechen viele die Matura aufgrund der Dreifachbelastung ab. Die Möglichkeit mindestens einen Lehrgangskurs während der Arbeitszeit, statt am Abend oder in der Freizeit, besuchen zu können muss gewährleistet sein. Ebenso sollen Lehrlinge für die Prüfungsvorbereitung freigestellt werden.

  • Europa auch für Lehrlinge! Erasmus+ ausweiten. Die Zahl der Lehrlinge im Erasmus+ Programm steigt an - aber da geht noch mehr! Viele Lehrlinge wollen auch gern einmal im Ausland Erfahrungen sammeln. Nach wie vor ist Erasmus bei Lehrlingen aber leider kaum bekannt und in vielen Betrieben ist das Wissen über Erasmus+ noch nicht angekommen. Deshalb braucht es darüber mehr Informationen in den Berufsschulen und bei Lehrbetrieben, denn von einem Auslandspraktikum profitieren beide Seiten. Einmal während der gesamten Ausbildung sollen Lehrlinge das "Erasmus+"- Programm, das ihnen einen dreiwöchigen Auslandsaufenthalt ermöglicht, ohne Zustimmung des Lehrbetriebs in Anspruch nehmen dürfen.
„Die Lehre braucht mehr Respekt und Anerkennung.“
Julian Schmid

Alle Videos von Julians Schnupperlehre

Vorschaubild: Julian Schmid: Schnupperlehre auf der Baustelle

Julian Schmid: Schnupperlehre auf der Baustelle

Verletzungsgefahr, Hitze, Regen & Kälte, harte Arbeitszeiten und Lohndumping. Julian Schmid hat eine Woche am Bau als Schnupperlehrling gearbeitet und mit mit den Jugendlichen zusammengearbeitet.

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